Friedensandacht 2006

Stalingrad-Kapelle
Info Kirchen und Kapellen
im Lkr. Dachau

Besuch aus Siegen
10. Sept. 2006

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Stalingradkapelle

 (bitte Stalingrad-Kapelle anklicken, dann erfahren Sie noch mehr darüber!)

 

Eindrucksvolle Friedensandacht
an der Stalingradkapelle

 

Am Samstag, den 13. Mai 2006, hat aufgrund des guten Wetters eine eindrucksvolle, gut besuchte Friedensandacht endlich wieder im Freien abgehalten werden können.

 

Mehr als 50 TeilnehmerInnen hatten sich an der Stalingradkapelle im Oberrother Wald eingefunden, um mit Pastoralreferent Andreas Fußeder, 2 Ministranten (Elisa Schlosser; Benedikt Gradl) und der SRK Schwabhausen 1920 eine stilvolle, würdige und von den Inhalten her sehr nachdenklich machende Friedensandacht zu feiern.

 

Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung durch den Solo-Trompeter Stefan Schmidhofer. Er trug sehr zu dem guten Gelingen der Gesänge bei, denn sonst tut sich eine kleine Gruppe schwer, bei den Liedern „Wohin soll ich mich wenden“, „Segne Du Maria“, ebenso auch bei der abschließenden „Bayernhymne“ den richtigen Ton zu treffen.

Pastoralreferent Andreas Fußeder begrüßte die Anwesenden und ging kurz auf den Liedtext vom Eröffnungslied “Wohin soll ich mich wenden“ ein.

Hier ein Auszug davon:

‚Die "Deutsche Messe" von Franz Schubert beginnt mit den Worten:

"Wohin soll ich mich wenden, wenn Gram und Schmerz mich drücken?"

Oft ist die Not, das Elend so groß, dass es keinen Ausweg mehr zu geben scheint.

Wir denken heute dabei an die schrecklichen Ereignisse im 2. Weltkrieg, der fast 6 Jahre dauerte und großes Leid mit 50 Millionen Toten über die ganze Welt gebracht hat und am 8. Mai 1945, vor ziemlich genau 61 Jahren, beendet wurde.

Wir erinnern uns auch an die schlimmen Bilder, die wir von der Tsunamikatastrophe in Südostasien, wie auch von den Überschwemmungen in New Orleans und in unserem eigenen Land zu sehen bekamen, die insgesamt mehrere Hunderttausend Menschenopfer forderte und vielen Menschen die Existenzgrundlage vernichtet hat.

Wir vergessen auch nicht, dass es derzeit weltweit unter anderem im Nahen Osten und vor allem auch in Afrika noch viele kriegerische Auseinandersetzungen mit Gewalt und Terror gibt, die viele Menschen in Not und Trauer stürzt.

Für die Überlebenden des Krieges und der Naturkatastrophen stellte sich in ihrer Not und Verzweiflung bestimmt gar oft die Frage:
Wohin soll ich mich wenden?
Und auch für jeden von uns gibt es mit Sicherheit auch die ein oder andere Situation,
die einen verzweifeln lässt und wo man nach einem Ausweg sucht.

Das kann eine Krankheit sein, der Verlust des Arbeitsplatzes, aber auch der endgültige Abschied von einem lieben Menschen. Gerade dann ist es notwendig, seine Hand nach dem auszustrecken, der sich scheinbar zurückgezogen hat.
Dort ist Halt und Kraft zu finden. Bei Jesus.’

In Zeiten der Not, das war ja auch im Krieg der Fall, rufen viele Gläubige und Soldaten auch die Muttergottes an und bitten um Ihren Beistand, was in vielen Marienliedern hörbar zum Ausdruck gebracht wird.

An dieser Stelle wurde das Marienlied „Segne Du Maria“ angestimmt und gesungen.

Es folgte anschließend eine mahnende, zum Thema „Frieden“ passende Ansprache von Albert Winkler, 1. Vorsitzender SRK Schwabhausen 1920. Den Wortlaut der Ansprache finden Sie hier auf diesem Link.
Bernhard Winkler, 1. Vorsitzender SRK Schwabhausen 1920, bilanzierte die Opfer des 2. Weltkrieges und verlas das Totengedenken (den Wortlaut der Totengedenkens finden Sie
hier auf diesem Link), das von der Vergangenheit bis in die heutige Gegenwart reichte. Der Trompeter spielte im Anschluss daran alle 3 Strophen vom Lied „Der gute Kamerad“ (den Text des Liedes finden Sie hier auf diesem Link).
Jetzt begann die Friedensandacht mit einem Hinweis auf das Evangelium von Matthäus 5.9 bis 10 „ Selig sind, die Frieden stiften...“ und dem Seligpreisungstext.

 

Pastoralreferent Andreas Fußeder stellte dann die rhetorische Frage „Wo beginnt die Gewalt, die den Frieden zerstört?“

und gab sogleich selbst mit folgendem Text die Antwort darauf:

 

Gewalt beginnt, lange bevor Gewehre aufgenommen werden.
Sie ist nicht nur in Kriegen zu suchen

und nicht nur in der schrecklichen Folter in fernen Ländern.
Sie beginnt viel kleiner und harmloser, sie beginnt im Herzen
und manchmal sogar im Namen der Liebe.

 

Gewalt beginnt da, wo der Zwang beginnt, wo einer für den anderen entscheidet,
wo ein Mensch einer Macht gehorsam sein soll,

auch wenn seine innere Stimme ihn warnt.
Wo der Einzelne nichts mehr gilt, wo er nur eine Statistik ist,
wo ihm das Herz herausgeschnitten wird,

wo ihm seine Eigenart und Einmaligkeit genommen werden,
da beginnen Gewalt und Zerstörung, ob das in einer kleinen Gruppe ist, christlich oder nicht, oder in einem Land von Millionen mit einer anderen Ideologie.

 

Gewalt beginnt da, wo einer es nicht aushält, dass der andere anders ist,
und wo er mit feinen und groben Mitteln gezwungen wird, sich anzupassen.

 

Man betete nun gemeinsam das Friedensbekenntnis (den Text finden Sie hier auf diesem Link).  

Die 5 großen Fürbitten zum Frieden wurden gelesen von Jörg Raab / Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge; Hans Westermeir / SRK-Schriftführer; Christian Reischl / Veteranen- u. Kriegerverein Rumeltshausen-Stetten; Anni Sonnenberger / Stetten; Benedikt Gradl / Ministrant. (Den Text der Fürbitten finden Sie hier auf diesem Link).  

 

Es folgte ein gemeinsames „Vater unser“ zum Dank für 61 Jahre Freiheit und Frieden in das man den Erbauer der Kapelle mit einbezog:
“Wir denken dabei in christlicher Verbundenheit auch an Sepp Haas, den Erbauer

der schönen Gedenk- und Andachtsstätte im Oberrother Wald, die er, wie er uns sagte, zur Erinnerung an den wahnsinnigen Krieg erbaute und darum auch „Stalingradkapelle“ nannte, obwohl er zwar während des Krieges in Russland,

jedoch selbst nicht in Stalingrad war. Er wollte, dass diese Kapelle dem Herz-Jesu geweiht wurde, damit die Opfer dieses sinnlosen Krieges Erlösung und Heil im Namen des Herrn finden. Dieser Wunsch wurde ihm 2004 erfüllt.

Sepp Haas lebt seit 1960 in Paraguay und jetzt sind seine Gedanken auch bei uns.“

Im friedlichen Miteinander wurde dann gemeinsam das Friedensgebet gesprochen:

 

Herr, hilf uns allen, unsere eigenen Waffen abzulegen:

 

·        die scharfen Worte, die bösen Blicke, die verletzende Sprache,

·        die giftigen Angriffe, die arrogante Überheblichkeit,

·        das erdrückende Kraftprotzen, die atemberaubenden Frechheiten,

·        den beißenden Spott und all das, womit wir sonst den täglichen Kleinkrieg führen

 

Herr, gib deinen Frieden

·       in unsere Sprache,

·       in unsere Blicke,

·       in unsere Hände und Füße,

·      in unseren Intellekt,

·     in unsere Phantasie,

·       in unser Herz.  

Nun versank man gemeinsam in ein kurzes, bewusstes, stilles Nachdenken.

Darauf stimmte der Pastoralreferent die Gläubigen behutsam ein:

 

„Vielleicht können wir zunächst über den tiefen Sinn des Friedensgebetes nachdenken und dann auch noch darüber, welche Anforderungen an uns gestellt werden und wie schwierig es ist, im Lebensalltag als ein Kind des Friedens zu leben.

Vielleicht erkennen wir, dass der Frieden unmittelbar um uns herum beginnt!

Vielleicht überlegen wir uns auch, was wir für den Frieden in der Welt tun können.“

 

Nach dem feierlichen Schlusssegen sang man die 3. und 4. Strophe von „Segne Du Maria“ und im Anschluss daran wurde durch Albert Winkler eine Grußbotschaft von Herrn Bürgermeister Josef Mederer verlesen, der an dieser Veranstaltung wegen einer anderen Verpflichtung nicht teilnehmen konnte.

 

Hier der Text:

 

‚Leider kann ich an dieser Friedensandacht nicht teilnehmen.

Aus diesem Grund bitte ich, mein kurzes Grußwort zu verlesen:

 

Vor zwei Jahren konnte feierlich die „Stalingrad-Kapelle“ mit einer Friedensandacht neu geweiht werden.

Vorausgegangen waren intensive Bemühungen der Soldaten- und Reservistenkameradschaft Schwabhausen, diese Gedächtniskapelle wieder in neuem Glanz erstrahlen zu lassen.

Ich darf mich an dieser Stelle nochmals für das großartige Engagement, für die Arbeit bei allen Beteiligten und Verantwortlichen herzlich bedanken.

Diese Kapelle ist zwischenzeitlich zu einem Ort des Gedenkens geworden.

Sicherlich können Gedenkorte und Gedenktage die Welt nicht verändern.

Aber sie beeinflussen unsere Sicht auf die Vergangenheit und unsere Deutung für die Gegenwart.

Insofern stiften sie Sinn. Aus der Erinnerung an das Leid der Kriege und aus dem Gedanken an die Opfer erwächst der Auftrag, sich für Frieden, Freiheit, Gerechtigkeit und ein würdiges Leben für alle einzusetzen. Das ist das Vermächtnis der Kriegsgräber in aller Welt.

Alle sind aufgerufen, der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft zu gedenken.

Wenn auch zwischenzeitlich 61 Jahre vergangen sind, dürfen wir die Opfer nicht vergessen.

Der Auftrag ist, aus der Vergangenheit für die Zukunft lernen.

Nur eine Gemeinschaft, die ihre Toten ehrt, ist fähig, sich selbst zu achten und verantwortlich zu handeln für die nachwachsenden Generationen.

Aus diesem Grund bin ich froh und dankbar, dass die Stalingrad-Kapelle im Oberrother Wald zu einer Friedenskapelle geworden ist. Ich wünsche dieser Friedensandacht einen würdigen Verlauf.’

 

Josef Mederer / 1. Bürgermeister / Gemeinde Schwabhausen

 

Mit den beiden Strophen der Bayernhymne, die lautstark von allen mitgesungen wurde, beendete man eine sehr schöne Veranstaltung.

 

Es wurde abschließend noch allen Beteiligten gedankt, die zum Gelingen und zum Ablauf beigetragen hatten. Ebenso Frau Hannelore Reisinger für die liebevolle Kapellenpflege wie auch Herrn Auer aus Dachau, der für ein Foto von einer Gedenktafel einen schönen Glasrahmen kostenlos angefertigt hatte. Dieses Bild von der Bronzetafel, die Sepp Haas 2004 aus Paraguay geschickt hatte (allerdings wies sie einen Schreibfehler auf, so dass man sie im Original nicht verwenden konnte), wurde dann feierlich in die Kapelle getragen.

 

 

 

 

 

Die Botschaft auf der Tafel ist Josef Haas, dem Erbauer der Kapelle sehr wichtig, deshalb wünschte er sich, dass sie in die Kapelle kommt.

Auch dieser Wunsch wurde ihm gerne von der SRK Schwabhausen 1920 erfüllt, der er im November 2003 schriftlich die Verantwortung und Verfügungsberechtigung für und über seine Kapelle gegeben hat. 

 

Alle Anwesenden wurden vom 1. Vors. Albert Winkler zum anschließenden Vortrag „Soldatengräber mahnen – Arbeit für den Frieden“, der von Jörg Raab, Geschäftsführer Bezirk Oberbayern, Volksbund Deutsche Kriegesgräberfürsorge e.V. gehalten wurde in den Gasthof „Zur Post“ eingeladen.  

 

Den Bericht über den Vortrag finden Sie auf der Seite Veranst. 2002-2006. 

 

 

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