Texte und Ansprachen

Friedensandacht 13. Mai 2006 - 61 Jahre Frieden

                                      Kurze Ansprache zum Anlass der Friedensandacht

    (1.   Vors. SRK Schwabhausen1920  / Albert Winkler)

 

Sehr geehrter Herr Pastoralreferent Fußeder,

sehr geehrte Damen und Herren des Gemeinderates und Angehörige der Vereinsabordnungen von den Soldatenvereinen aus allen Ortsteilen von unserer Gemeinde,

sehr geehrter Herr Raab vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge,

sehr verehrte Anwesende!

In letzter Zeit wurden wir umfangreich informiert mit Berichten, Informationen und Enthüllungen über den 2. Weltkrieg. Über seinen Anfang, den Verlauf und auch über das Ende, das wir uns heute zum 61. Mal in Erinnerung rufen.
Hier
 im Oberrother Wald, an der wie er es wörtlich nannte,

„Zur Erinnerung an den wahnsinnigen Krieg“, von Sepp Haas 1949 erbauten Stalingradkapelle, die es ohne den Krieg wahrscheinlich gar nicht geben würde.

Seit 61 Jahren ist man geteilter Meinung darüber, ob das Kriegsende denn wirklich eine Befreiung war.
Für Viele, die auf den 8. Mai 1945 zurückblicken, war es das.

Für Andere begannen Flucht und Vertreibung, Mord, Folter und Schrecken aufs Neue.

Wer 1945 nicht das Glück hatte, im Westen Deutschlands zu sein, musste sogar bis 1990 auf das eigentliche Kriegsende warten, bis endlich die Befreiung mit der Wiedererlangung der Freiheit eingetreten ist.

Vielen unter uns – den noch lebenden Zeitzeugen der Erlebnisgeneration, die immer weniger werden, der Nachkriegsgeneration, der wir angehören und der heutigen Wohlstandsgeneration, unseren Kindern und Jugendlichen, verursacht dieses 61 jährige Kriegsende unterschiedliche Gefühle.

Die Zeitzeugen empfinden diese Berichterstattung zum Teil als Aufreißen von alten, bereits verheilten und vernarbten Wunden.

Die Nachkriegsgeneration erinnert sich daran, dass noch bis in die 60er Jahre –trotz Aufschwung und zunehmenden Wohlstands- gespart werden mußte und es nicht für Jeden teure Levis-Jeans und andere elegante Markenkleidung und Markenschuhe gab. Die Wohlstandsgeneration, die dann 20 Jahre nach dem Krieg und später in eine konsumorientierte Welt von Vollbeschäftigung, Komfort und Luxus geboren wurde, empfindet dieses Zurückblicken und sich daran erinnern, zum Teil als lästig, aufdringlich und verzichtbar. Viele fordern ganz offen und genervt, doch endlich einen Schlussstrich zu ziehen und damit aufzuhören!

Unsere größte Sorge ist es, dass mit dem Wegsterben der Zeitzeugen- und Erlebnisgeneration sich auch die Form des Erinnerns verändern wird. Deshalb ist es den Soldatenvereinen, nicht nur der SRK Schwabhausen, sondern auch allen anderen von Arnbach, Oberroth, Rumeltshausen - Stetten, Puchschlagen-Machtenstein-Kreuzholzhausen, ein großes Bedürfnis, die Erinnerung wach zu halten und zur Wachsamkeit aufzurufen, stets zum Frieden zu mahnen, damit sich so etwas Schreckliches wie der 2. Weltkrieg nie mehr wiederholen kann.
Es gilt vor allem die Ursachen anzumahnen, die unseren Frieden in Gefahr bringen können.

Gerade in Zeiten von Arbeitslosigkeit, wirtschaftlicher Not und existentieller Angst ist die Gefahr sehr groß, sich linken oder rechten Extremisten anzuschließen, die das wahre Heil versprechen und vorgeben, alles besser machen zu können. Wir können davor nur warnen und wir werden präventiv sehr viel tun, um unsere Jugend vor dieser Gefahr zu schützen. Dazu haben wir in unserer Satzung auch die Voraussetzungen für einen Jugendbeauftragten in der SRK geschaffen, der uns den Kontakt zur Jugend ermöglichen und herstellen soll.

In unserer Jugend liegt nämlich auch unsere Zukunft!

Die Jugend ist unser wertvollstes Kapital! Und sie ist aufgrund des fortschreitenden Werteverfalls in unserer Gesellschaft auch unsere größte Sorge, wenn man zum Beispiel an die jüngsten Vorkommnisse in Traunreut denkt, als deutsche Jugendliche einen toten Menschen im Wald fanden, ihn mit einem Seil an einen Baum fest banden und auf die Leiche mit Eisenstangen einschlugen! Noch ist bei uns hier die Welt in Ordnung,

doch nach solchen Vorkommnissen müssen überall und in uns Allen die Alarmglocken läuten!

Es müssen wieder grundlegende Werte in der Erziehung vermittelt werden, sonst droht unserer Gesellschaft große Gefahr! Vor allem das Elternhaus, dann Kindergarten und Schule sind hier besonders gefordert und natürlich auch verantwortlich dafür, dass diese Werte wieder vermittelt und vorgelebt werden müssen!
Der Leiter des Zentrums für Antisemitismusforschung in Braunschweig, Professor Wolfgang Benz, sagte zum Thema „Erinnern“ bei einer Veranstaltung am Petersberg:
< „Wozu noch erinnern?“ – eine Frage, die nur dann beantwortet werden kann, „wenn man genau weiß, woran man sich erinnern muss.“ Viele glauben, dass Erinnerung eine Art von Schuldbekenntnis ist. Erinnerung ist jedoch keine Frage der Schuld. Erinnerung bedeutet zu wissen, was passiert ist.

Denn nur, wenn man genau wisse, was passiert ist, könne man gegen mögliche Anfeindungen, Vorwürfe und Schuldmechanismen bestehen. Unter diesen Voraussetzungen sei es dann auch nicht notwendig, einen Schlussstrich zu ziehen.“>  Ende des Zitats.
Ganz wichtig für den bleibenden Frieden ist deshalb auch die Bereitschaft zur Versöhnung und Aussöhnung. Auch noch oder gerade nach 61 Jahren.

Dazu passt sehr schön das Zitat aus der Predigt bei der Amtseinführung von unserem neuen Papst Benedikt dem XVI., der uns eindringlich ermahnte:

 „Nur durch Versöhnung und Liebe gibt es Frieden und Freiheit.“

Unsere jährliche Friedensandacht soll dazu in unserem unmittelbaren Bereich beitragen.

 

 

Totengedenken zur Friedensandacht am 13.05.06
(Bernhard Winkler 2. Vors. SRK)

 

Die Weltkriegsbilanz ist schrecklich:

 

Vorsichtige Schätzungen gehen von bis zu 60 Mio. Toten aus!

55 – 60 Mio. Menschen sind durch den 2. Weltkrieg umgekommen.

Soldaten, Kriegsgefangene, Zivilisten, Frauen, alte Leute, Kinder, Juden, Sinti, Roma, Polen.

Die Sowjetunion beklagte allein 25 Millionen Tote.

13 Millionen Menschen (darunter 6 Mio. Juden, 3 Mio. Polen nicht-isrealitischen Glaubens,

500.000 Sinti und Roma) wurden von der SS, der Polizei, den Nazi-Henkern

und von der Wehrmacht getötet.

3,3 Mio. sowjetische Kriegsgefangene überlebten die deutsche Kriegsgefangenschaft nicht.

5,3 Mio. deutsche Wehrmachtssoldaten wurden von einem verbrecherischen Regime sinnlos geopfert und im Bombenkrieg der Alliierten starben über eine halbe Mio. deutsche Zivilisten. Dazu kommen noch die rund 2,5 Mio. Opfer durch Flucht und Vertreibung.

 

Darf man sie alle vergessen und nicht mehr daran erinnern, wie es dazu kam?

All dieser Opfer und ihrer Angehörigen wollen wir jetzt nahe und verbunden sein

beim Totengedenken. Und auch im Anschluss, wenn das Lied „Der gute Kamerad“ erklingt,

das uns der Trompeter Stefan Schmidhofer spielt.

 

Wir gedenken heute, genau 61 Jahre nach Beendigung des 2. Weltkrieges,
unserer Gefallenen und vermißten Soldaten

und der im Krieg umgekommenen Zivilpersonen
aus dem Gemeindebereich Schwabhausen mit all seinen Ortsteilen,
wie auch jenen, die in der Gefangenschaft, bei der Vertreibung oder in der Heimat

an den Folgen des wahnsinnigen Krieges verstorben sind.

Wir gedenken heute  auch unseren verstorbenen Soldaten von der Bundeswehr, die bei der Ausübung ihres Dienstes bei der Bundeswehr im In- und Ausland zur Sicherung und zum Erhalt des Friedens in unserer Zeit ihr Leben verloren haben.

Wir denken heute,  betroffen und entsetzt aus aktuellem Anlass,

an die vielen Toten des immer noch nicht beendeten, wohl aber sehr umstrittenen Irakkrieges;
an die jungen Soldatinnen und Soldaten unserer verbündeten Streitkräfte und an die vielen unnötigen Opfer unter den Journalisten und des grausamen, hinterhältigen Terrors, ebenso der unterdrückten, nun zwar befreiten, aber immer noch notleidenden Zivilbevölkerung.

Wir denken heute auch an die zahlreichen Konfliktherde,

die es zur Zeit an vielen Orten dieser Welt noch gibt,

vor allem in Israel und Palästina, wie auch in Afrika, dort im Kongo

und an allen anderen Schauplätzen der Gewalt.

Wir können es nur schwer verstehen,

dass in der heutigen Zeit, Menschen so grausam und unversöhnlich zueinander sein können.

 

In unser heutiges gemeinsames und feierliches Gedenken

schließen wir auch alle unsere bereits verstorbenen Kameraden mit ein,

die Kriegsteilnehmer, Funktionäre und Mitglieder

in unseren Soldaten-Vereinen und Reservistenkameradschaften

aus allen Ortsteilen unserer Gemeinde Schwabhausen waren.

 

 

Gemeinsames Friedensbekenntnis

 

Wir bekennen uns zum Frieden.

Ich glaube Gott, dass du diese Welt geschaffen hast.

Ich glaube, dass du uns Menschen gewollt hast,

jeden von uns gleich liebst und keine Unterschiede machst

zwischen Rassen, Stand und Geschlecht.

 

Ich glaube Gott, dass du uns Jesus Christus, deinen Sohn gesandt hast,

der als Bruder unter uns Menschen lebte,

der uns die frohe Botschaft der Liebe und des Friedens verkündete

und der für uns am Kreuze starb.

 

Ich glaube an den heiligen Geist, der auch jetzt unter uns weilt.

Der uns Kraft gibt, Gutes unter den Menschen zu tun,

der uns zwischen Gut und Böse unterscheiden läßt und der uns zur Liebe führt.

 

Ich glaube, dass ich einst in Gemeinschaft mit allen in dein Friedensreich ziehen werde. - Amen

 

Fürbitten 

 Pfarrer:

Gott unser Vater, du liebst uns als deine Kinder. Zu dir dürfen wir voll Vertrauen beten:

1. Lektor:

¨      Wir bitten dich für alle, die Opfer des Krieges wurden, und für alle,
die noch heute unter den Folgen
des Krieges zu leiden haben,
dass sie ihren inneren Frieden
finden und dass ihre seelischen
und körperlichen Wunden dauerhaft
verheilen.

A: Wir bitten dich, erhöre uns!

2. Lektor:

¨      Wir bitten dich, dass Versöhnung über die Vernichtungslager hinaus möglich wird und auch die Opfer, die heute noch leben und immer noch daran leiden,
was ihnen in Deutschland angetan wurde, verzeihen und vergeben können.
A: Wir bitten dich, erhöre uns!

3. Lektor:

¨      Wir bitten dich um Wachsamkeit und Mut, dass wir es nicht übersehen und schweigen, wenn Fremde unter uns erneut Hass, Beschimpfungen und Gewalt ausgesetzt sind.

A: Wir bitten dich, erhöre uns!

4. Lektor:

¨      Wir bitten dich, schenke uns Bereitschaft und Tatkraft zu helfen,
dass wir angesichts der großen Herausforderungen nicht aufgeben,
sondern immer neu gegen Gewalt, Hunger und Not angehen.

A: Wir bitten dich, erhöre uns!

5. Lektor:

¨      Wir bitten dich für unsere Kirche und uns selbst, dass wir die Kraft haben,
deine Botschaft des Friedens unter den Menschen mit Wort und Tat zu verbreiten
und dass wir in unserem Alltag als Menschen des Friedens und der Liebe leben.
A: Wir bitten dich, erhöre uns!

 

Pfarrer / Pastoralreferent Andreas Fußeder:

 

Du Herr nimmst uns immer wieder als deine Söhne und Töchter an.

Dafür wollen wir dir danken, jetzt und in Ewigkeit   -         Amen

 

 

Friedensgebet

 

Alle:

 

Herr, hilf uns allen, unsere eigenen Waffen abzulegen:

·        die scharfen Worte, die bösen Blicke, die verletzende Sprache,

·        die giftigen Angriffe, die arrogante Überheblichkeit,

·        das erdrückende Kraftprotzen, die atemberaubenden Frechheiten,

·        den beißenden Spott und all das, womit wir sonst den täglichen Kleinkrieg führen.

 

Herr, gib deinen Frieden

·        in unsere Sprache,

·        in unsere Blicke,

·        in unsere Hände und Füße,

·        in unseren Intellekt,

·        in unsere Phantasie,

·        in unser Herz.